Elionora Rosenkranz zeigt den Besuchern eine wertvolle Thorarolle

Einblicke in die jüdische Religion

Demokratiebegleiter/-innen besuchten die Stuttgarter Synagoge

Knapp zwanzig Menschen sind der Einladung der Demokratiebegleiter/-innen zum Besuch der Stuttgarter Synagoge gefolgt. Zunächst mussten sie durch die Sicherheitsvorkehrungen. Jeder muss seinen Personalausweis vorzeigen und die Tasche öffnen. Elionora Rosenkranz führt durch diesen sakralen Ort der jüdischen Gemeinde. Vor dem Eintritt müssen die Männer eine bereit gestellte Kippa aufsetzen. „Aus Respekt vor Gott“, so Rosenkranz. Auch die Frauen müssen beim Gebet ihren Kopf bedecken, entweder mit einem Hut oder mit einem Kopftuch.

Schon vor dem Krieg stand an gleicher Stelle eine Synagoge, die allerdings in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 fast vollständig zerstört wurde. Nur noch zwei steinerne Gesetzestafeln, die in der Synagoge an der Wand hängen, sind übriggeblieben. 1952 wurde der Neubau eingeweiht.

Der Gottesdienst wird in Hebräisch gehalten, parallel können die Gemeindemitglieder die Texte auf Deutsch und Russisch mitlesen. Es gibt keinen Pfarrer, der Kantor mit seiner ausgebildeten Gesangsstimme leitet die Andacht. „Die Besucher lesen die Texte auch selbst aus der Thora“, erklärt Rosenkranz. Die Thora umfasst die fünf Bücher Mose aus dem Alten Testament. In der Stuttgarter Synagoge werden in einem Thoraschrein hinter einem Samtvorhang, Parochet genannt, noch alte Pergamentrollen mit handschriftlichen Texten der Thora aufbewahrt.
In der Synagoge leuchtet ständig ein rotes Licht, das sogenannte ewige Licht. Es dient der Erinnerung an die Anwesenheit Gottes im Gebetsraum. Keine rituelle Bedeutung mehr hat der sechszackige Davidsstern, der an die 12 biblischen Stämme der Juden erinnern soll. Auch der siebenarmige Leuchter dient in der Synagoge nur noch der Dekoration.

Neben dem Sabbat gibt es noch weitere Feiertage im Judentum. Etwa der Rosch Haschana, das Neujahrsfest oder Jom Kippur, der Tag der Buße und Vergebung. Das Wallfahrtsfest Pessach dauert sieben Tage und erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei und den Auszug aus Ägypten.

Die Besucherinnen und Besucher zeigten großes Interesse und hatten viele Fragen zur jüdischen Religion und den Ritualen, auch zum Vergleich zwischen Judentum und Christentum. Wegen des großen Interesses soll der Besuch wiederholt werden.