In Finnland ist es normal anders zu sein

Die Welt ist zu Besuch bei der Neuen Arbeit. Nach den Besuchen aus Äthiopien und Südkorea kam am 22. März eine Delegation aus Finnland zu Besuch.
Herr Professor Veijo Notkola und Frau Pirjo Lehtoranta von der „Stiftung Rehabilitation“ in Helsinki haben sich von Ralf Ehring, Geschäftsleitungsmitglied der Neuen Arbeit, die komplexe Welt der deutschen Arbeitshilfe erklären lassen. Die finnische Stiftung beschäftigt sich mit Fragen zur Wiedereingliederung von Menschen mit Behinderungen.

Begleitet wurde die beiden Gäste aus Finnland von Martin Schmollinger vom „Deutschen Verband für Rehabilitation“ und Bernhard Pflaum vom „Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg“.

Das besondere Interesse der Gäste lag auf der Frage, was in Deutschland für psychisch erkrankte Menschen nach Beendigung ihrer Rehabilitation zur Wiedereingliederung in das Arbeitsleben getan wird. Darum stand das niederschwellige Gemeinschaftsprojekt „reINTEGRA“ der Neuen Arbeit und dem Rudolf-Sophien-Stift im Mittelpunkt der Präsentation.

Notkola berichtete, dass in seinem Land der Kreis von Menschen mit psychischen Erkrankungen zugenommen hat. Seine Stiftung habe evaluiert, dass Menschen nicht länger als sechs Wochen nach Beendigung ihrer Rehabilitation Zuhause bleiben sollen. Nach Ablauf dieser Frist würde es immer schwerer sie wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Darum werden die Betroffenen mit Instrumenten wie Arbeitszeitverkürzung, Beschäftigung in Teilzeit, Coaching und anderen Hilfemaßnahmen an ihrem alten Arbeitsplatz gehalten und so langsam wieder eingegliedert. Oft gelingt dies so gut, dass ihr Arbeitsumfeld es gar nicht wahrnimmt. Falls diese Art der Wiedereingliederung nicht gelingt, gibt es auch ähnliche Projekte wie reINTEGRA.

„Das international vielgelobte finnische Sozialsystem wird seinem guten Ruf tatsächlich gerecht“, sagt Notkola. „In Finnland ist es normal anders zu sein, es gibt keine soziale Stigmatisierung arbeitsloser und behinderter Menschen.
Die wirtschaftlich angespannte Situation und Massenkündigungen, wie zum Beispiel bei Unternehmen wie NOKIA, führen jedem Menschen vor Augen, dass es auch ihn treffen kann. Zudem beginnt die Integration bei uns immer sehr früh“, so Notkola.

In Finnland sind die Nichtregierungsorganisationen sehr stark und sorgen für den Erhalt der im Vergleich mit Deutschland viel besseren Rahmenbedingungen.

Das finnische Fernsehen strahlt ein Reality-TV-Format aus, in dem Menschen mit Behinderung tragende Rollen besetzen. Eine gute Idee, das Thema Inklusion in die Gesellschaft zu tragen - nicht nur für Finnland, sondern auch für das deutsche Fernsehen.